Betriebsnachfolge im Handwerk - Jetzt ist der ideale Zeitpunkt

Betriebsnachfolge im Handwerk bietet große Chancen: 68% der Betriebe steigern nach Übergabe den Umsatz. Warum jetzt der ideale Zeitpunkt ist und was Nachfolger beachten müssen.

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Die Betriebsnachfolge im Handwerk steht an einem Wendepunkt: Während der Einzelhandel mit Übergabeproblemen kämpft, bietet das Handwerk aktuell hervorragende Chancen für Übernehmer. Experten sprechen vom idealen Zeitpunkt für eine Nachfolge.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Handwerksbetriebe verzeichnen eine Zunahme der Unternehmensnachfolgen, während andere Branchen zurückgehen. Fast die Hälfte der Nachfolger gehört zur Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen – eine Generation auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Entwicklung.

Branchenexperten betonen: Die junge Generation sieht das Potenzial, das im Handwerk schlummert. Nachfolger können sich die besten Betriebe aussuchen – mit eingespielten Fachkräften und stabiler Auftragslage.

Was macht Handwerksbetriebe attraktiv?

Mehrere Faktoren machen die Übernahme eines Handwerksbetriebs besonders interessant:

  • Fachkräftemangel als Vorteil: Bestehende Betriebe haben bereits eingespieltes Personal
  • Stabile Nachfrage: Handwerksleistungen sind lokal verankert und dauerhaft gefragt
  • Digitalisierungspotenzial: Neue Technologien bieten große Entwicklungsspielräume
  • Förderprogramme: Staatliche Unterstützung erleichtert die Finanzierung
  • Generationenwechsel: Viele Betriebe stehen kurz vor der Übergabe

Umsatzsteigerungen sind realistisch

Etwa 68 Prozent der Betriebe erreichen oder übertreffen zwei Jahre nach der Übergabe ihr früheres Umsatzniveau. Aktuelle Studien zeigen: Um den Umsatz muss man sich keine Sorgen machen.

Welche Herausforderungen gibt es?

Trotz positiver Aussichten gibt es Hürden bei der Nachfolge:

Unrealistische Verkaufspreise

Finanzierungsexperten warnen: Finanzierungen scheitern selten an Banken, sondern an überhöhten Erwartungen. Wer unrealistische Verkaufspreise verlangt, gefährdet Arbeitsplätze und die Übergabe selbst.

Der Kaufpreisanteil steigt kontinuierlich auf 77 Prozent der Finanzierung. Überhöhte Preisvorstellungen führen häufig zu gescheiterten Deals.

Demografische Nachfolgelücke

Das Durchschnittsalter der Übergebenden ist auf 63 Jahre gestiegen. Der Anteil der über 75-jährigen Übergeber hat sich seit 2015 nahezu verdreifacht und liegt bei 7,9 Prozent. Die Babyboomer-Generation steht immer weniger potenziellen Nachfolgern gegenüber – Experten sprechen von einer "tickenden Zeitbombe".

Solo oder im Team übernehmen?

Über 80 Prozent der Nachfolgen erfolgen solo. Team-Nachfolgen konnten sich trotz zwischenzeitlicher Versuche nicht durchsetzen. Die Gründe: komplexere Verhandlungen und demografisch bedingter Nachfolgermangel.

Der Frauenanteil bei Übernehmern liegt weiterhin nur bei 21 Prozent. Frauen übernehmen häufiger in Bereichen wie Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Gastgewerbe.

Was ist besser: Nachfolge oder Neugründung?

Unternehmensnachfolgen sind häufig erfolgreicher als Neugründungen. Die Generation der 30- bis 40-Jährigen verfügt über einen anderen Erfahrungsschatz als klassische Gründer. Vorteile der Nachfolge:

  • Bestehender Kundenstamm und Auftragslage
  • Eingespieltes Team von Fachkräften
  • Etablierte Marktposition und Ruf
  • Vorhandene Infrastruktur und Ausstattung
  • Planbarere Einnahmen gegenüber Neugründung

Welche Unterstützung gibt es?

Experten sprechen sich für gezielte Förderprogramme speziell für Unternehmensnachfolgen aus. Zwar gebe es bereits gute Unterstützungsmaßnahmen, doch diese fallen unter die Existenzgründungsförderung und werden deshalb oft nicht gefunden.

Wichtige Anlaufstellen sind:

  • Handwerkskammern mit Nachfolgebörsen
  • Steuerberater als zentrale Partner
  • Banken und Bürgschaftsbanken für Finanzierung
  • Existenzgründungsprogramme mit Nachfolge-Förderung

Profitabilität entwickelt sich langsamer

Wirtschaftsanalysten geben zu bedenken: Umsatz kommt schnell zurück, Marge deutlich langsamer. Zwei von drei Übergaben stabilisieren oder steigern den Umsatz. Doch Gewinne hinken hinterher – ohne stabile Erträge bleibt jede Nachfolge fragil.

Nachfolger sollten realistisch planen und für die ersten Jahre Durststrecken bei der Profitabilität einkalkulieren, auch wenn der Umsatz schnell das alte Niveau erreicht.

Fazit: Handwerk bietet große Chancen

Die Nachfolgewelle im Handwerk ist Realität. Die Rahmenbedingungen sind günstig: stabile Nachfrage, Fachkräftemangel als Vorteil für bestehende Betriebe und Digitalisierungspotenzial. Wer jetzt einen Handwerksbetrieb übernimmt, hat gute Chancen auf Erfolg – vorausgesetzt, Käufer und Verkäufer finden einen realistischen Kaufpreis und bereiten die Übergabe professionell vor.

Die Botschaft ist klar: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt für eine Betriebsnachfolge im Handwerk. Die junge Generation erkennt zunehmend das Potenzial, das in etablierten Handwerksbetrieben steckt.

Erstellt: 10.11.2025

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