Fachkräftemangel Handwerk verschärft sich

Fachkräftemangel Handwerk verschärft sich

24.000 Fachkräfte verlassen jährlich Mangelberufe im Handwerk. Warum Beschäftigte abwandern und was dagegen hilft.

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Der Fachkräftemangel im deutschen Handwerk erreicht eine neue, besorgniserregende Dimension: Zwischen 2022 und 2023 haben etwa 191.000 Personen Engpassberufe verlassen, während nur 167.000 neu hinzukamen. Das entspricht einem Nettoverlust von 24.000 Fachkräften – vergleichbar mit der Einwohnerzahl einer Kleinstadt.

Warum verlassen Fachkräfte das Handwerk?

Die Abwanderung aus dem Handwerk hat systematische Ursachen. Die Verbleibquote in Mangelberufen liegt 1,7 Prozentpunkte unter der in Jobs ohne Fachkräftemangel. Das bedeutet: Beschäftigte wechseln aktiv in Bereiche mit besseren Bedingungen.

Die Hauptgründe sind:

  • Unzureichende Vergütung: Löhne können oft nicht mit anderen Branchen mithalten
  • Belastende Arbeitsbedingungen: Körperliche Anstrengung und unregelmäßige Arbeitszeiten
  • Fehlende Wertschätzung: Gesellschaftliche Anerkennung bleibt hinter Leistungen zurück
  • Mangelnde Perspektiven: Aufstiegschancen werden nicht ausreichend kommuniziert

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Der Fachkräftemangel zeigt sich branchenübergreifend, trifft aber insbesondere:

Die demografische Entwicklung verschärft die Situation: Erfahrene Fachkräfte gehen in Rente, während zu wenig Nachwuchs nachkommt.

Was können Handwerksbetriebe konkret tun?

Um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, sollten Betriebe auf mehreren Ebenen aktiv werden:

Vergütung und Benefits verbessern

  • Leistungsgerechte Gehälter anbieten, die konkurrenzfähig sind
  • Zusatzleistungen wie betriebliche Altersvorsorge und Gesundheitsangebote
  • Prämien für besondere Leistungen und erfolgreiche Projekte

Arbeitsbedingungen modernisieren

  • Flexible Arbeitszeiten und bessere Work-Life-Balance
  • Moderne Werkzeuge und Maschinen zur körperlichen Entlastung
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Digitale Tools zur Effizienzsteigerung

Weiterbildung und Perspektiven schaffen

  • Regelmäßige Fortbildungen ermöglichen
  • Klare Karrierepfade aufzeigen
  • Meisterausbildung finanziell unterstützen
  • Übernahme von Führungsverantwortung ermöglichen

Wie lässt sich der Trend umkehren?

Arbeitsmarktexperten betonen die Dringlichkeit: Der negative Trend muss umgekehrt werden. Die Umkehr erfordert koordinierte Anstrengungen von Politik, Handwerksorganisationen und einzelnen Betrieben.

Wichtige Ansatzpunkte:

  • Imagekampagnen: Positive Darstellung von Handwerksberufen in der Öffentlichkeit
  • Nachwuchsförderung: Frühe Berufsorientierung und attraktive Ausbildungsangebote
  • Digitalisierung: Moderne Arbeitsmethoden, die das Handwerk zukunftsfähig machen
  • Politische Unterstützung: Förderprogramme für bessere Arbeitsbedingungen

Welche Rolle spielt die Gesellschaft?

Die Wertschätzung des Handwerks beginnt bei jedem Einzelnen. Eine Gesellschaft, die nur akademische Karrieren als erstrebenswert ansieht, verliert wertvolle Fachkräfte. Das Handwerk ist systemrelevant – ohne funktionierende Infrastruktur und handwerkliche Dienstleistungen kommt keine moderne Gesellschaft aus.

Eine Karriere im Handwerk bietet vielfältige Perspektiven: von der Selbstständigkeit über Spezialisierungen in Zukunftsfeldern wie Smart Home bis hin zu erneuerbaren Energien. Auf WORK5 können Handwerker Aufträge finden und sich als Dienstleister präsentieren.

Fazit: Handeln ist jetzt erforderlich

Der jährliche Verlust von 24.000 Fachkräften aus Mangelberufen ist ein Alarmsignal. Das Handwerk muss sich als attraktiver Arbeitgeber neu positionieren. Wer jetzt in bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und moderne Ausstattung investiert, wird nicht nur Fachkräfte halten, sondern auch neue gewinnen.

Viele Betriebe haben bereits erkannt: Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit zahlen sich aus und schaffen die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft des deutschen Handwerks.

Erstellt: 10.11.2025

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