EU-Verpackungsverordnung (PPWR) 2026: Was Handwerksbetriebe ab 12. August beachten müssen
Ab 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung PPWR: recycelbare Verpackungen, klare Entsorgung. Was Handwerksbetriebe jetzt tun müssen.
Ab dem 12. August 2026 gilt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation) verbindlich in allen EU-Mitgliedstaaten. Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Wer Verpackungen verwendet, muss jetzt konkrete Anforderungen an Recycelbarkeit, Kennzeichnung und Entsorgung erfüllen – sonst drohen Abmahnungen und empfindliche Bußgelder.
Was die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ab 12. August 2026 konkret regelt
Die PPWR ersetzt die bisherige EU-Verpackungsrichtlinie aus dem Jahr 1994 und setzt deutlich strengere Maßstäbe. Der Kern: Alle gewerblich eingesetzten Verpackungen müssen bis 2030 vollständig recycelbar sein. Bereits ab dem 12. August 2026 greifen die ersten verbindlichen Anforderungen.
Konkret verlangt die Verordnung:
- Recycelbare Verpackungen: Verpackungen dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie den neuen Recycelbarkeitsklassen entsprechen. Verbundstoffe, die sich nicht trennen lassen, sind künftig verboten.
- Kennzeichnungspflicht: Jede Verpackung muss mit Informationen zur Entsorgung und Recycelbarkeit gekennzeichnet sein – in maschinenlesbarer Form (QR-Code oder Digital-Watermark) und in Klartext.
- Entsorgungshinweise: Betriebe, die Verpackungen an Kunden oder Auftraggeber übergeben, müssen klar kommunizieren, wie die Verpackung korrekt entsorgt wird.
- Übergangsfristen: Bestehende Lagerbestände von Verpackungen, die die neuen Anforderungen noch nicht erfüllen, dürfen bis zum 31. Dezember 2026 aufgebraucht werden. Neubestellungen müssen ab dem Stichtag den PPWR-Anforderungen entsprechen.
Zudem führt die PPWR ein EU-weites Register für Verpackungshersteller und -importeure ein. Betriebe, die Verpackungen selbst produzieren oder aus Drittländern importieren, müssen sich registrieren lassen.
Welche Handwerksbetriebe von der PPWR betroffen sind
Die PPWR betrifft Handwerksbetriebe in mehreren Bereichen – oft unterschätzt, weil viele Betriebe sich nicht als „Verpackungsverwender" verstehen:
Materialeinkauf und Lieferkette: Wer Baumaterialien, Ersatzteile oder Verbrauchsmittel in Verpackungen kauft und diese an Kunden weitergibt, ist mitverantwortlich für die korrekte Entsorgungskommunikation. Elektriker, SHK-Betriebe und Maler, die verpackte Materialien auf Baustellen bringen, sind damit direkt betroffen.
Versand und Rücksendungen: Betriebe, die Waren versenden – etwa Handwerker-Softwarehersteller, Online-Händler für Werkzeug oder Zulieferer – müssen ihre Versandverpackungen auf PPWR-Konformität prüfen.
Kundenverpackungen: Wer Produkte in Verpackungen an Endkunden übergibt – beispielsweise im Malerhandwerk beim Verkauf von Farben oder im Sanitärbereich bei Armaturen – muss die Kennzeichnungspflicht einhalten.
Kleine Handwerksbetriebe mit einem Jahresumsatz unter 10 Millionen Euro und einer Verpackungsmenge unter 10 Tonnen profitieren von vereinfachten Meldepflichten. Grundsätzlich ausgenommen sind jedoch keine Betriebe – wer Verpackungen verwendet, kommt nicht um die Einhaltung herum.
So werden Betriebe jetzt PPWR-compliant
Die gute Nachricht: Die meisten Handwerksbetriebe müssen keine eigenen Verpackungen neu entwickeln, sondern nur sicherstellen, dass ihre Lieferanten und Materialien die neuen Anforderungen erfüllen. Folgende Schritte sind empfehlenswert:
1. Lieferanten prüfen: Verlangen Sie von Ihren Lieferanten eine schriftliche Bestätigung, dass die gelieferten Verpackungen ab dem 12. August 2026 PPWR-konform sind. Seriöse Großhändler und Hersteller haben entsprechende Compliance-Erklärungen bereits vorbereitet.
2. Verpackungsmaterial umstellen: Kaufen Sie nach dem Stichtag nur noch Verpackungen mit der korrekten PPWR-Kennzeichnung. Halten Sie Ihre Lagerbestände im Blick und planen Sie den Aufbrauch nicht konformer Bestände bis zum 31. Dezember 2026.
3. Entsorgungshinweise kommunizieren: Informieren Sie Kunden aktiv darüber, wie gelieferte Verpackungen zu entsorgen sind – per Aufkleber, Lieferschein-Hinweis oder kurze mündliche Information. Das ist nicht nur gesetzlich geboten, sondern stärkt auch das Vertrauen der Auftraggeber.
4. Dokumentation anlegen: Legen Sie eine einfache Dokumentation an, welche Verpackungen Sie verwenden, von welchen Lieferanten diese kommen und ob die PPWR-Konformität bestätigt wurde. Das schützt bei Kontrollen und Abmahnungen.
5. Bußgeldrisiken kennen: Verstöße gegen die PPWR können – je nach nationalem Umsetzungsgesetz – mit Bußgeldern zwischen 500 und 100.000 Euro sanktioniert werden. Schwerwiegende oder wiederholte Verstöße können zu Betriebssperren führen.
Was Handwerksbetriebe jetzt konkret tun sollten
Der unmittelbare Handlungsbedarf konzentriert sich auf drei Punkte: Lieferanten anschreiben und PPWR-Konformität bestätigen lassen, bestehende Lagerbestände bis Ende 2026 planmäßig aufbrauchen und die eigene Dokumentation auf den aktuellen Stand bringen.
Wer unsicher ist, ob und in welchem Umfang sein Betrieb betroffen ist, sollte die zuständige Handwerkskammer kontaktieren. Die meisten Kammern haben bereits PPWR-Beratungsangebote eingerichtet.
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